HEILPFLANZEN- UND WILDKRÄUTERBÜCHER - Rezensionen ab 2017

 



Coco Burckhardt: Räucher-Rituale, Mit Hölzern, Harzen und Kräuter, blv Buchverlag 2017

Kurze, prägnante Informationen in Form von praktischen Einzelkarten

Es handelt sich bei diesem Werk nicht um ein Buch, sondern um einen festen Einband mit Einstecktasche und anfangs verklebten Einzelkarten, die nach Belieben heraus getrennt werden sollen – also nichts für Interessierte, die gerne in einem Buch schmökern wollen, auch wenn diese Form durchaus ihren Reiz hat!
Der Autorin ist es gelungen, eine übersichtliche Einführung in das Thema „Räuchern“ zu geben – sie beschreibt erst kurz den Hintergrund und verschiedenen Methoden des Räucherns, bevor die verschiedenen Steckbriefe über (in erster Linie heimische) Räucherstoffe folgen. Eingeteilt und farblich voneinander unterscheidbar sind diese in die Bereiche Schutz & Reinigung, Schlaf & Entspannung, Übergänge & Neubeginn, Konzentration & Visualisierung, Meditation & Hellsicht sowie Trost & Liebe. Jeder Pflanze ist eine Vor- und Rückseite gewidmet – auf der ersten stellt die Autorin die Pflanze vor, ehe die jeweilige körperliche und seelische Wirkung beim Verräuchern in Stichworten beschrieben wird. Ein kleiner Abschnitt über interessante Besonderheiten dieser Pflanze schließt daran an, die wirklich sehr passend aus sicher einer Fülle an Material heraus gesucht wurden. Die andere Seite zeigt eine Zeichnung der jeweiligen Pflanze zusammen mit einem botanischen Steckbrief, der über Standort, Aussehen, Verwechslungsgefahr und Erntezeit in Kürze Auskunft gibt. Auch besonders wichtige fremdländische Räucherstoffe werden beschrieben – diese haben zur Unterscheidung eine schwarz-weiß-Zeichnung und hier wird zusätzlich noch die Herkunft beschrieben. Abgerundet werden die Themenbereiche jeweils mit einer Karte über vier Räuchermischungen. Dabei ist hervorzuheben, dass darunter jeweils zwei Räucherbuschen aufgeführt sind, die in anderer Literatur teils nur allzu kurz behandelt werden.
Insgesamt also eine wunderbare Grundlage, um mit dem Räuchern zu beginnen oder um – ohne viel lesen zu müssen – kurz etwas über einzelne Räucherkräuter nachzuschlagen. Sehr gut geeignet auch für das Räuchern in Gruppen – hier können die jeweiligen Karten ganz praktisch mit aufgestellt oder ausgelegt werden und sie passen natürlich auch hervorragend an den Räucheraltar.
Einziger Nachteil: die Steckbriefe fallen schnell auseinander, sobald darin geblättert wird – so sind nicht nur unbedingt die gewünschten Karten heraus getrennt. Und die Einstecktasche hat nicht für allzu viele Blätter Platz – also immer vorsichtig aus dem Regal ziehen oder am besten liegend bei Räucherwerk lagern!

 


Peter Becker/Claudia Wilhelmi: Die Wildkräuter-Werkstatt, Bloom’s Verlag 2017

Mal ein ganz anderes Wildkräuter(koch)buch!

Schon auf den ersten paar Seiten begeistert dieses Buch, denn es wird gleich deutlich, dass hier ein Profi am Werk war. Peter Becker ragt schon seit Jahren in der Kräuterwelt dadurch hervor, dass er sich mit den besonders invasiven Pflanzen auseinandersetzt, indem er sie nutzt, um ungewöhnliche Gerichte zuzubereiten. So bremsen wir durch die fleißige Herstellung von z.B. Gierschpesto, Knöterich-Chutney oder Springkrautblüten-Sirup automatisch die Verbreitung dieser meist unbeliebten Mitbewohner. Neben den genannten sehr wachstumsfreudigen Pflanzen beschäftigt sich der Autor in diesem Buch auch mit der Indischen Schneinerdbeere, mit Löwenzahn, Kermesbeere, Franzosenkraut, mit der Kanadische Goldrute, der Gemeinen Mahonie und der altbekannten Eiche – hier präsentiert er z.B. die „Newtella-Supreme-Creme“, die so originell wie genial ist. Dass die Rezepte alle selbst vom Autor entworfen wurden, machen sie besonders wertvoll und wecken die Vorfreude darauf, so manche Gerichte auszuprobieren. Doch es geht nicht nur um Kulinarisches in diesem Buch, sondern die Naturkosmetikfachfrau Claudia Wilhelmi lässt außerdem einige ihrer Kreationen an passender Stelle mit einfließen – so z.B. das Giersch-Badesalz, die Knöterich-Seife, den Franzosenkraut-Haut-Smoothie oder die Pflegecreme aus Mahonienrinde.
Wirklich ein Buch, welches (nicht nur) ambitionierten Wildkräuterköchinnen und –köchen tolle Inspirationen bringt und bei ganz Unbedarften durchaus die Begeisterung dafür wecken kann.
Unangenehm an dem Buch ist höchstens der Geruch, aber der „verduftet“ hoffentlich mit der Zeit.



  • Rudi Beiser, Helga Ell-Beiser: Heilpflanzen-Tinkturen, Ulmer Verlag 2017
  • Tolle Ergänzung zu Heilpflanzenbüchern!

    In diesem ansprechend bebilderten Buch wird bis ins Detail erklärt, wie es mit wenigen Mitteln möglich ist, hochwertige Pflanzenauszüge herzustellen. Hierbei wird nicht nur auf das klassische Grundrezept mit Alkohol eingegangen, sondern kurz auch auf Auszüge aus Essig und Glycerol. Selbst eine „Turboextraktion“ oder die „Bewegungsmazeration im Mörser“ bleiben nicht unerwähnt und können selbst fortgeschrittenen Kräuterexpert/innen neue Möglichkeiten eröffnen. Nach einem ausführlichen Kapitel über die Herstellung der Tinkturen, das keine Fragen mehr offen lässt, werden über 50 Heilrezepte beschrieben – jeweils ergänzt durch allgemeine Tipps oder kleine Erläuterungen zu den einzelnen Pflanzen. Abgerundet wird das Werk durch eine umfangreiche Tabelle, in der die 80 wichtigsten Heilpflanzen übersichtlich erklärt werden – u.a. mit Wirkungen, Indikationen, Erntezeit und zu verwendendem Pflanzenteil.

    Doch was vor allem deutlich wird: in diesem Buch stecken jede Menge persönliche Erfahrungen und wertvolles Wissen des Autoren-Ehepaares! Nicht nur deshalb ist es eine kostbare Ergänzung zu den meisten anderen Heilpflanzenbüchern und wie ein kleiner Schatz im Bücherregal.

    Erschienen: 
    3. Juli 2013